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Mörderische Skizzen

Kommissar Hein und Franz Rabe

„Sie verstehen nicht“, sagte Rabe. „Hein kann immer erst aufhören mit einem Fall, wenn er den Täter hat. Dabei ist es ihm nicht wirklich wichtig, ob der Täter, den er festnimmt, auch schuldig ist. Nennen Sie es manisch. Er weiß es nicht, aber er braucht mich. Und haben Sie an die Opfer gedacht? Nicht die Mordopfer, die Tatverdächtigen? Was meinen Sie, was mit Ihnen passieren würde, wenn ich nicht dabei wäre?“

„Aber das ist doch Wahnsinn“, stammelte ich.

Rabe nickte mit hängenden Schultern. „Sie sagen es. Es ist Wahnsinn. Und das Schlimmste ist, dass er es nicht merken darf. Ich muss sehr diskret sein, um ihn nicht zu verärgern.“

„Manipulation“, sagte ich.

Rabe sah traurig zu Boden. „Auf allen Ebenen.“


Die beiden Beamten, die in ihrer Gesamtheit die Sonderabteilung für Paranormale Vorfälle bilden, könnten unterschiedlicher nicht sein. Kommissar Hein ist klein und untersetzt, mit einem Vollmondgesicht und zwei wilden Haarbüscheln links und rechts über den Ohren. Er balanciert eine strenge Brille relativ weit vorn auf der Nasenspitze und starrt die Leute gerne mit zur Seite geneigtem Kopf an. Seine Haltung hat in diesen Momenten unheimliche Ähnlichkeit mit einem Vogel, der einen Wurm zu hypnotisieren versucht.

Franz Rabe wäre gerne weit weg, nicht zuletzt wegen seiner ausgeprägten Leichenphobie, die ihm die Arbeit in der Sonderabteilung nicht gerade erleichtert. Trotz der Schikanen seines Vorgesetzten fühlt er jedoch eine Verantwortung auf seinen Schultern, der er sich nicht entziehen kann: Irgend jemand muss Hein unauffällig in Schranken halten. Franz Rabe ist groß und dünn, mit langen, strähnigen braunen Haaren, einer freundlichen Hakennase und zu Boden gerichteten Augen, in denen ein resignierter und leise depressiver Ausdruck liegt; doch nach und nach keimt in Harry der Verdacht auf, dass in diesem traurigen Mann mehr steckt, als man auf den ersten Blick ahnt.